Die Frauentracht

Die Kleidung für die Frauen wurde einheitlich für das ganze Jahr und die Hausgemeinschaft in einem Zuge angefertigt. Die Frauen der Nachbarschaft halfen sich gegenseitig oder es wurde eine Dorfnäherin bestellt. Der Schnitt und die Art der selbstgefertigten Stoffe veränderte sich kaum. Jeder Ort hatte seine kleinen Besonderheiten und hielt daran fest.

 

Für unsere Gegend, also das Jeverland, war der Wollakenrock (Wändken) typisch. Er ist im Heimatmuseum ausgestellt und stammt aus der Ostiemer Gegend. Versehen war dieser Rock mit weißen und roten Längsstreifen oder aus schmalen verschiedenfarbigen Keilen zusammengenäht.

 

Getragen wurde dazu die Knäp, Wämschen oder Kamsol (Hochd. Mieder. Dieses Mieder wurde enganliegend und mit einem Schoß geschneidert. Das Mieder der Mütter war mit einem Brustlatz versehen, der beim Stillen abgeknöpft wurde. Knäp und Rock waren nicht zusammenhängend.

 

Das Timpentuch wurde über der Schulter getragen. Es hing hinten im Timpen (Zipfel) herunter und wurde vorne mit einer Nadel gehalten oder geknotet. Diese Tücher waren bestickt oder bedruckt. Schuden (Schutz) heißen die sackleinenen Schürzen, welche man zur groben Arbeit umband. Zu Festtagen jedoch trugen die Frauen Schürzen, die von ihnen mit Borten, Blumen oder Tierköpfen bestickt waren.

 

In einer Asch Dose, einer Holzschachtel aus Tannenholz, bewahrte die Frau ihre Hüllen (Mütze) auf, die sie zur Aussteuer erhalten hatte. Sie mußte für das ganze Leben aus­reichen. Die Staatshülle war aus Samt, Seide oder Brokat mit Goldborten. Die Hülle mit Stremel (Streifen) war eine Linnenmütze, versehen mit einem Spitzenrand. Im Nacken hingen lang die Bänder herunter.

 

Die Hemdspange, ein Schmuckstück, gegossen aus Silber, fiel nicht unter das Verbot von 1736. Der dänische König hatte sich gegen das Tragen von jeglichen Gold oder Silber an der Kleidung ausgesprochen. Ausgenommen waren gegossenes oder massiv verarbeitetes Silber oder Gold.

 

(Auszug aus: Heimatkunde des Herzogtums Oldenburg Hrsg.: Oldenburgischer Handelslehrer-verein, Bremen 1913, Kapitel: Unsere alte Volkstracht von Prof. Bernhard Winter)

Die Männertracht

Die alte jeverländische Landestracht:

 

Zur Frage der alten jeverländischen Landestracht, die heute ganz in Vergessenheit geraten ist, machte Georg Janßen, Sillenstede bemerkenswerte Ausführungen.

Er erklärte, daß sein 1773 in Stummeldorf geborener Großvater, Bauer Johann Folkers, noch die alte jeverländische Tracht getragen habe. Sie habe aus folgenden Kleidungs­stücken bestanden: blaue Strümpfe, kurze Hose, kurze Jacke, hoher schwarzer Hut und silberne Schnallen am Knie und auf den Schuhen. Zu Hause trug man eine blau und weiß gestreifte Zipfelmütze. Von den langen Hosen wollte man früher im Jeverland nichts wissen. Des Redners Urgroßvater nannte sie ,,Schietschläpers„.