"Der Volkstanz hat mein Leben eine ganz andere Richtung gegeben"

Nach meinem bisherigen Leben auf dem Bau und bei der Feuerwehr kam die Richtungsänderung. Es sollte keine Eintagsfliege werden stand am 21.Februar 1980 im Jeverschen Wochenblatt.

Der 1. Vorsitzende des „Verkehrsverein Jever e.V.“ Heinz Fuchs rief zur Gründung einer Volkstanzgruppe auf. Diesem Aufruf folgten mehr als 100 Männer und Frauen die sich im Schützenhof einfanden.

Meine Frau hegte schon lange den Gedanken der Volkstanzgruppe in Wittmund beizutreten.

Für mich war es undenkbar sich solch einer Gruppe anzuschließen, das ist nichts für Männer.

Mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass das in Jever sowieso nichts wird, denn in Jever ist ja nun einmal alles anders, ging ich mit.

Werner Gronewold aus Wittmund und Inge Beck aus Jever schafften es, die Masse an Interessenten hier im Schützenhof in Bewegung zu setzen und das, Hand in Hand im großen Kreis. Mir kam das Ganze sehr albern vor. Wir trafen uns danach allwöchentlich am Mittwoch im Schützenhof. Nach sechs Wochen fing es an Spaß zu machen, denn es wurde merklich interessanter, zumal uns auch die alten Volkstänze und deren Herkunft erklärt wurden.

Zu diesem Zeitpunkt hat sich ein Stamm von 40 Männer und Frauen etabliert.

Der erste öffentliche Auftritt erfolgte dann am 18.Juni 1980 in der alten Reithalle vor ca. 250 Gästen, es war unser Polterabend.

Der Wunsch nach einer einheitlichen Tanzkleidung war schon lange im Gespräch, denn an eine Tracht war nicht zu denken. Die Gruppe schaffte es in Eigenarbeit gefertigte Tanzkleidung im Schützenhof am 18.Oktober 1980 aufzutreten.

Schon am 08.November 1980 wurde uns ein Auftritt zur Eröffnung eines Restaurants in Dortmund durch Bolko Schröder (Brauerei Jever) ermöglicht. Wer schon einmal vor einer Menge von Zuschauern gestanden hat, weiß was Lampenfieber ist, dies Gefühl musste vor jedem Auftritt überwunden werden. Das erste Altstadtfest brachte uns vom Verkehrsverein durch den Erlös des Altstadtfestes und einer guten Spende des Jeverschen Brauhauses einen ansehnlichen Betrag zur Beschaffung einer Tracht.

Fast gleichzeitig verlief die Recherche nach einer Tracht aus dem hiesigen Raum sowie die Gründung eines eingetragenen Vereins.

Durch Werner Gronewold unseren volkstänzerischen Ziehvater der der AGOV (Arbeitsgemeinschaft Ostfriesischer Volkstanzgruppen) angehörte, bekamen wir von der Ostfriesischen Landschaft die Zustimmung für die Herstellung einer Tracht, die wir mit Hilfe vom Muse-umsleiter Grahlmann herausgesucht haben.

 

Nach der Gründungsversammlung am 07.04.1982 wurde dann die Volkstanzgruppe am 07. April 1982 ein eingetragener Verein mit einem eigenen Wappen.

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Für die 1. Vorsitzende und dem 2. Vorsitzenden des neugegründeten Vereins wurde je eine Mustertracht durch den Gewandmeister vom Wilhelmshavener Stadttheater geschneidert. Die Gesamtheit der Trachten fertigte Schneidermeister Martens aus Uplengen, die am 23.Juli 1982 im Audienzsaal des jeverschen Schlosses vorgestellt wurden. Anschließend wurde vor dem Schlosstor getanzt. Viele Auftritte folgten. Aus Mainz erhielten wir die erste auswärtige Einladung, wo wir mit deren geistigen Getränken in Kontakt kamen und uns vorgeworfen wurde, dass wir Kulturbanausen sind, weil wir den Wein wie Bier tranken. Persönliche Kontakte zu Mitgliedern der dortigen Volkstanzgruppe bestehen noch heute.

 

Der erste Kontakt zu einer schwedischen Volkstanzgruppe (Ramsele), die in Wittmund zu Besuch war, ergab sich am 14. Juli 1982. Damit kam der Wunsch auf, auch einmal ins Ausland zu fahren. Von Werner Gronewold wurde uns mitgeteilt, dass das ganz einfach ist.

Man besorgt sich eine Adresse, lädt die Gruppe ein und anschließend werden wir eingeladen.

Zum Altstadtfest 1983 wurde dann eine Volkstanzgruppe aus Schweden (Vinslöv) eingeladen, an dem auch die Volkstanzgruppe aus Bolsward (Holland) teilnahm.

Zum ersten Mal standen wir vor einem Problem, die Gruppe hat sich mit 36 Personen angemeldet, wer nimmt wen und wie viel auf. Wir haben es gemeistert, auch wenn man sein eigenes Bett zur Verfügung stellen musste.

Wann kommt die Einladung nach Schweden und Holland? wir müssen warten.

Die Volkstanzgruppe Jever wird bekannt. Als besonders erwähnenswerte Auftritte sind Auftritte in der Fernsehserie „Die Insel“1986, die Ausrichtung des 10. Ostfriesischen Volkstanztreffens mit ca. 800 Tänzern 1985, die Teilnahme am Festspiel „Fräulein Maria von Jever“ u.v.a.

1984 war es soweit, wir fahren nach Schweden (Vinslöv). Gedanken machten wir uns mit der Verständigung. Keiner von uns sprach auch nur annähernd die Sprache, was einige konnten, war englisch.

Somit kamen wir auf den Gedanken einen Schwedischkurs zu belegen. Gebracht hat es nicht viel.

Am 20.Juni 1984 fuhren wir mit einem Doppeldecker der Fa. Fischer Richtung Schweden.

Bis zur Grenze nach Schweden lief alles nach Plan. Als der Grenzposten näherkam, sagte unser Fahrer, dass im Kofferraum reichlich Bier eingelagert ist, wenn wir den Zoll nicht bezahlen wollen und aufgrund der Menge nicht könnten, muss der Kofferraum versiegelt werden. Womit wir niemals gerechnet haben, der Kofferraum wurde nicht inspiziert. In Vinslöv wurden wir auf die Familien verteilt. Der Fahrer und ich kamen zu einer Familie Petersen ca. 15 km von Vinslöv entfernt, auf eine kleine Landstelle. Am nächsten Tag war die  

Begrüßung durch den Bürgermeister und Austausch der Gastgeschenke.

In der örtlichen Kirche musste, obwohl ich es nicht glauben wollte, von der Gruppe ein Lied gesungen werden. Alle Auftritte und die gemeinschaftlichen Abende verliefen schön und harmonisch. Der Abschied war herzlich.

Lange haben wir von der Fahrt und den Ereignissen gezehrt, somit kam auch schon der Gedanke wo fahren wir demnächst hin.

Mein Bruder Heinz, der freundschaftlichen Beziehungen nach England pflegte, bat ich, bei seinem nächsten Besuch die Adresse einer Volkstanzgruppe mitzubringen. Es war die Anschrift von Jennifer Love.

Sie vermittelte uns eine Gruppe aus Wales, mit dem Tanzleiter Ian Huhges (ein Dozent der Universität Abersthywysh).

Auch hier folgte unsererseits eine Einladung, am 1987 traf die Gruppe in Jever ein.

Um sie gebührend zu empfangen und in die Stadt zum Kirchplatz hinein zu lotsen stellten wir an den Zufahrten von Jever Posten auf. Da sie nicht zum angegebenen Zeitpunkt erschien machten wir uns Sorgen, bis uns mitgeteilt wurde, daß auf der anderen Seite des Kirchplatzes, wo wir bereits Stunden warteten, eine ausländische Gruppe beim Eislokal sitzt.

Die Gruppe ist über Cleverns eingereist, womit wir nicht gerechnet hatten. Einer der Waliser ist sogar mit dem Fahrrad gefahren. Auch diese Begegnung hatte unvergessliche Momente, insbes, dass Maibock und Cognac zusammenpasst. Der Gegenbesuch erfolgte 1988. 1989 besuchten wir die Gruppe Reusegeum in Leuwen/Belgien. 1991 wieder nach Schweden und 1992 nach Wales.

Die Europeade ist das größte europäische Trachten- und Folklorespektakel von Grönland bis Andalusien und Weißrussland bis zur Atlantikküste, dass jährlich an wechselnden Orten in Europa stattfindet. Für 2014 in Kielce waren 3455 Teilnehmer gemeldet.

Unsere Gruppe setzte sich zusammen aus der Volkstanzgruppe Strücklingen/Saterland, zwei Paare der Volkstanzgruppe Aurich und ein Paar der Volkstanz- u. Trachtengruppe Jever. Schon am frühen Morgen starteten wir mit dem „Di Seelter Woain“, ein Unternehmen aus dem Saterland, bei gutem Wetter in Richtung Kielce. An der Autobahnabfahrt Schwarmstedt luden wir noch die Volkstanzgruppe „De Rowoler Danzlüt e.V.“ ein.

Die Stimmung konnte nicht besser sein. Durch eine schöne Landschaft -und das nicht nur, weil die Sonne schien- und auf schönen neuen Straßen fuhren wir dem Ziel entgegen. Gegen Mittag wurde ein Freiluftbufett aufgebaut, was keine Wünsche offenließ. Alle brachten das mit, was sie selber am liebsten mochten bzw. aßen.

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 Nach dieser Stärkung fuhren wir nach ca. 700 km zum Nachtquartier ins Drei-Sterne- Hotel “Hellon“ in Sroda Slaska, eine Partnergemeinde des Saterlandes. Ohne den sogenannten Absacker legt man sich bekanntlich nicht zur Ruhe, somit traf man sich noch einmal zu später Stunde zu einem Gläschen Sekt um die nötige Bettschwere zu bekommen. 

 Nach dem Frühstück setzten wir die Fahrt zum noch 300 km entfernten Kielce fort.

Nachmittags gegen 15:00h am 23.07. erreichten wir bei schönem Wetter unser Ziel.

Kielce ist eine wunderbare Stadt mit ca. 200 000 Einwohnern, jahrhundertalten Traditionen und Werten, reicher Geschichte und wunderbaren Denkmalen und Menschen.

Die Unterbringung erfolgte im Gegensatz zu früheren Jahren nicht in Gemeinschaftsunterkünften, wie Turnhallen oder Klassenräumen auf Luftmatratzen, sondern in einem Studentenwohnheim mit Zwei- und Einbettzimmern und integrierter Nasszelle. Lediglich in Padua/Italien wurde uns 2012 bislang der Aufenthalt in einem Hotel erster Klasse ermöglicht, weil durch das Erdbeben die Gäste ausblieben.

Schön für uns!

Mit der Anmeldung beim Komitee war der erste Schritt ins Programm der Europeade vollzogen. Bis zum nächsten Tag, an dem wo unser erster Auftritt bevorstand, wurde noch tüchtig geübt, schließlich sollte gerade bei der Eröffnung der Europeade auf der Freilichtbühne Kadzielnia nichts schiefgehen. In gemütlicher Runde beendeten wir den zweiten Tag. Für Donnerstag war zu unserem Erstaunen auch ein Empfang der deutschen Tanzgruppen - ca. 400 Leute an der Zahl - durch Vertreter des Konsulats geplant. Aber es erschien nicht ein Vertreter, sondern der Generalkonsul Dr. Werner Köhler aus Krakau selbst ließ es sich nicht nehmen dem Empfang im Kulturhaus bei Sekt und anderen

Getränken beizuwohnen.

Die Begrüßungsrede des Stadtpräsidenten Wojciech Lubawski war herzlich. Er hieß uns herzlich willkommen und nannte Deutschland den Anwalt für die Demokratisierung Polens. Wir waren willkommene Gäste.

Am Nachmittag des 24.07. war es dann so soweit, dass wir auf der Freilichtbühne Kadzielnia parallel mit der Volkstanzgruppe aus Rodewald bei Nienburg auftreten mussten. Die Nervosität war zu spüren, es lief jedoch alles rund, sodass wir winkend die große Bühne verließen und Überlegungen für den Rest des Tages anstellen konnten.

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Generalkonsul Dr. Werner Köhler, Karl-Peter Schramm u. Agnes Janßen Volkstanzgruppe Strücklingen

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Es war nicht schwer in einer Gruppe Gleichgesinnter einen Abend zu planen, schließlich hat Polen auch schönes Bier und getanzt werden kann immer -  wer´s denn noch mag.

Der Freitag war für uns alle ein freier Tag. Ein Ausflug nach Sandomierz war im Programm. Es ist ein Ort mit beeindruckender Geschichte. Im umfangreichen Reiseführer wurde u.a. von einer ersten nachweisbaren Ansiedlung schon in der Jungsteinzeit (5200 v.Chr. – 1700 v.Chr) berichtet, und u.a. von einem Tunnelsystem von 470 m Länge und bis zu 12 m Tiefe unter den Häusern der Stadt. Das Tunnelsystem war lange Zeit in Vergessenheit geraten. In den 60 er und 70 er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die unterirdischen Routen für die Touristen wieder zugänglich gemacht.

 

Der Sonnabend war der Tag vor der Abschlussveranstaltung. Lt. Programm waren Auftritte an verschiedenen Stellen in der Stadt mit allen Gruppen vorgesehen und am Nachmittag gab es den großen Umzug.

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Über 188 Gruppen verschiedener Nationen in bunten Trachten aller Altersgruppen waren die Teilnehmer, wie Kinder und Jugendgruppen und auch solche mit schon weißen Haaren, um nicht ein Alter zu nennen. Tausende Zuschauer entlang der Straßen klatschten unentwegt, denn während des Umzuges wurde, wenn der Zug zum Stillstand kam, getanzt und es wurden sonstige Darstellungen geboten.

Sonntag war der Tag der Verabschiedung, welcher mit einem Gottesdienst in einer großen Turnhalle am Vormittag begann. Am Nachmittag gab es dann ein Tanzprogramm auf der Freilichtbühne Kadzielnia für die Gruppen, die nicht bei der Eröffnung am 24.07.  eingeteilt waren. Die Übergabe der großen Flagge der Europeade an die Nation, die 2015 die Europeade durchführt, war der Höhepunkt des Tages. Weil wir für die Rückfahrt wegen der Lenkzeit des Fahrers zeitlich unter Druck standen, stiegen wir direkt nach der Veranstaltung in den Bus. Das Ziel war wie auf der Hintour das „Hotel Hellon“ in Sroda Slaska . Nach 24:00h hatte ein Mitglied der Rodewalder Gruppe Geburtstag und nur Minuten später erreichten wir das Ziel. Eingeladen wurde noch zu einem Gläschen, was auch zwei wurden. Früh morgens, d.h. 9:00h war die Ruhepause unseres Fahrers beendet und die Heimfahrt begann. Ohne Schwierigkeiten erreichten wir bei strahlendem Sonnenschein um 19:00h.  Strücklingen/Saterland.

Für die Teilnehmer aus Aurich und Jever stand noch eine weitere Stunde Fahrzeit für die Rückfahrt an.

Das Ziel für 2015 ist die Europeade in Helsingborg/Schweden. Die Schweden mit einem Info-Stand rührten schon die Werbetrommel um viele Teilnehmer zu gewinnen. Eigentlich ein Selbstläufer, denn wer einmal eine Europeade erlebt hat, denkt automatisch an die Nächste.

Europeade 2015

 in Schweden ein Event mit 6000 Teilnehmern in 250 Gruppen aus 24 Ländern Europas von Island bis Spanien. Wie in den Vorjahren war es wieder ein Erlebnis bei der Europeade in Schweden / Helsingborg dabei gewesen zu sein. Lange Vorbereitungen waren nötig um die gemeinsamen Tänze einzuüben. Wir waren keine zusammengewürfelte Gruppe, sondern haben uns mit zwei Paaren von der Volkstanzgruppe Aurich und mit zwei Paaren der Volkstanz gruppe Jever der Strücklinger Volkstanz-gruppe aus dem Saterland angeschlossen und kamen aber nur auf 36 Personen, somit konnten wir alle Sachen wie Koffer, Trachten, Schlafsäcke, Getränke des täglichen Bedarfes und sogar eine Bierzapfanlage mit zwei Fässern der zugehörigen Flüssigkeit unterbringen.    Mit einem Bus der Fa. Wilfried Janssen sind wir am 04.08.2015 pünktlich um 7:00 h bei dunklen Wolken am Himmel von Strücklingen aus gestartet. Die Stimmung konnte besser nicht sein. Schon nach kurzer Zeit wurde zur Freude Aller Sekt ausgeschenkt, was dazu führte, dass einige sich anschließend zur Ruhe begaben und schliefen. Hinter den dunklen Wolken schaute später, je weiter wir Richtung Osten fuhren, die Sonne hervor. Ohne Zwischenfälle erreichten wir um 17.00 h unseren Zielort Helsingborg in Schweden. Untergebracht waren wir in der Elibergschule und mussten auf Luftmatratzen in Klassenräumen schlafen, was ohne Probleme verlief. Toiletten waren ausreichend vorhanden, an Duschen waren extra zwei fahrbare Wagen mit je vier Duschen und ein Wagen mit zwei Duschen und je einer Toilette, die jedoch nicht benutzt werden konnte, aufgestellt.  Da wir erst am Mittwoch den 05.08. mit dem Abendessen in der Verpflegung vorgesehen waren, wurde das Mitgebrachte aufgetischt, wovon reichlich vorhanden war, jede/r hatte etwas beigetragen.

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Lt. Programm war am 05.08. die Anmeldung in der Helsingborg Arena und Abendessen wie an jedem weiteren Tag bei den Olympia Hallen. Sonst stand der Tag zur freien Verfügung. Am Donnerstag war unser Programm derart komprimiert, dass wir Vor- und nachmittags Straßenauftritte und abends unseren Auftritt bei der Eröffnungsveranstaltung in der Helsingborg Arena hatten. Für den Freitag lief alles locker an, um 15:00 h war der Umzug mit allen Tanz- und Musikgruppen durch die Stadt. Grundsätzlich wie auf allen vorherigen Europeaden plant die Gruppenleitung einen freien Tag ein, den wir für einen Ausflug nach Malmö nutzten.

Diese Fahrt am Samstag den 08.08. stand unter einem schwarzen Stern. Unser Fahrer Wilfried war für eine weitere Fahrt nach Norwegen vorgesehen, dafür sollte sein Bruder Gerold uns weiter begleiten. Dazu kam es leider nicht, denn ihm wurde mitgeteilt, dass seine Frau auf einer Fahrt in Österreich tödlich verunglückte. Der Abend war entsprechend bedrückend. Die Fahrt nach Malmö war fest geplant und auch eine Stadtführerin war bestellt, so musste ein Weg gefunden werden, diese Fahrt zu organisieren.

Unsere Gruppenführung wandte sich an eine Gruppe aus Gütersloh die auch mit einem eigenen Bus vor Ort war. Der Fahrer, auch ein Volkstänzer, war bereit uns mit seinem Bus nach Malmö zu fahren. So ist es unter Volks-tänzern, man hilft sich. Die Stadt Malmö ist neben Stockholm und Göteborg die drittgrößte Stadt des Landes und Hauptstadt in der historischen und heutigen schwedischen Provinz Schonen.

Am Sonntag den 09.08. war laut Programm ein ökumenischer Gottesdienst in der St. Mary`s Church vorgesehen, an dem eine große Anzahl unserer Mitglieder teilnahm. Dann, um 15:00 h begann die Schluss Veranstaltung in der Helsingborg Arena, bei der alle Gruppen die nicht an der Eröffnungsveranstaltung teilgenommen haben ihre Tänze zeigten. Mit einer feierlichen Zeremonie wurde zum Abschluss der Banner, das Symbol der Europeade, dem Land übergeben welches 2016 die Europeade durchführt und das ist Belgien mit der Stadt Namur. Wir werden wieder dabei sein!!!

Botschafter Frieslands zur Europeade nach Namur (Belgien)

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Einige Mitglieder der Volkstanz u. Trachtengruppen aus Jever, Aurich und Bad Zwischenahn verstärkte die Volkstanzgruppe Saterland, die zu Gast bei der 53. Europeade in Namur (Belgien) waren.

Die Europeade gibt es bereits seit 53 Jahren. Ins Leben gerufen wurde sie von den Flamen in Belgien. Jedes Jahr findet die Europeade in einem anderen europäischen Land von Grönland bis Spanien statt. Im Schnitt nehmen etwa 5 000 Volkstänzer an diesem Festival teil.

Viele Teilnehmer, die seit Jahren dabei sind, begrüßen sich herzlich wie alte Bekannte.

Entsprechend sind auch die Abende, die man in geselliger Runde zusammensitzt und tanzt, schließlich haben alle nur ein Ziel, die Erhaltung des Brauchtums. Sei es tanzen, singen oder musizieren.

In diesem Jahr hatten leider wegen der Terroranschläge einige Gruppen ihre Teilnahme abgesagt. Die Organisatoren bemühten sich sehr, dieses Fest für alle Teilnehmer sicher und trotzdem fröhlich zu gestalten.

Die Präsenz der Polizei war allgegenwärtig, sogar von einem Polizeihubschrauber aus wurde der Umzug beobachtet.

Bei der Eröffnungsveranstaltung in der Expo-Halle hatte die Gruppe ihren ersten großen Auftritt. Hier zeigte ungefähr die Hälfte der teilnehmenden Gruppen einen Tanz ihrer Region vor etwa 5 000 Zuschauern.

Im Programm war auch ein zweistündiger Auftritt in der Stadt Rochefort vorgesehen, die Herzlichkeit der Gastgeber war überwältigend.

Weitere 30–minütige Straßenauftritte fanden in Namur statt, so dass die Gruppe auch in Belgien bekannt wurde. An ihrem auftrittsfreien Tag besuchten die Volkstänzer und -tänzerinnen die Gärten von Annevoie und am Nachmittag die Brasserie Caracole, eine kleine Bierbrauerei. Hier wurden sie von Gästeführern über die Besonderheiten der Gärten und der Brauereien informiert.

Nach der Abschlussveranstaltung am Sonntag, bei der die andere Hälfte der Teilnehmer die Tänze ihrer Länder zeigte, wurde noch lange gemeinsam ausgelassen getanzt und fast alle waren sich einig, dass sie im nächsten Jahr, dann aber in Turku (Finnland), wieder dabei sein werden.

Europeade - eine Idee lebt

Wenn Eskimos (Norweger) mit Spanier, Polen mit Belgiern oder Estländer mit Deutschen tanzen, sprechen wir von der Europeade, sie ist das größte europäische Trachten- und Folklorespektakel, dass jährlich an wechselnden Orten in Europa stattfindet und tausende Gleichgesinnter begeistert, ungeachtet der Nationalität oder Glauben, eine friedliche Völkerverständigung.

Es begann 1964 in Antwerpen/ Belgien. Der Flame Mon de Clopper und der Schlesier Robert Müller Kox hatte die Idee, die die Flamen und Schlesier zusammenbrachte. Die Anzahl der beteiligten Regionen Europas ist mittlerweile auf 180 angewachsen. Die Organisatoren der Europeade haben sich zum Ziel gesetzt, ein zusammenwachsendes Europa zu begleiten, in dem jeder seine eigene Kultur mit bringt, lebt und weiter pflegt. Es wird gesungen, musiziert, getanzt und gefeiert und das jedes Jahr an verschiedenen Orten Europa´s für je fünf Tage, ohne große Reden zu halten.

Das Logo der Europeade:              

„Bruderschaft“

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2000

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2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

Stadt

Antwerpen

Dortmund

Antwerpen

Valencia

Antwerpen

Marche-en-Famenne

Herzogenaurach

Antwerpen

Annecy

Nuoro

Antwerpen

Marbella

Annecy

Nuoro

Wien

Antwerpen

Schwalmstadt

Martigny

Gijon

Vienna

Rennes

Turin

Figueira da Foz

München

Antwerpen 

Libourne

Valladolid

Rennes

Figueira da Foz

Horsens

Frankenberg

Valencia

Turin

Martigny

Rennes

Bayreuth

Horsens

Zamora

Antwerpen

Nuoro

Riga

Quimper

Zamora

Horsens

Martigny

Klaipdea/Memel

Bozen

Tartu

Padua

Gotha

Kielce

Land

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Deutschland

Belgien

Spanien

Belgien

Belgien

Deutschland

Belgien

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Italien

Belgien

Spanien

Frankreich

Italien

Österreich

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Spanien

Österreich

Frankreich

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Portugal

Deutschland

Belgien

Frankreich

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Portugal

Dänemark

Deutschland

Spanien

Italien

Schweiz

Frankreich

Deutschland

Dänemark

Spanien

Belgien

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Lettland

Frankreich

Spanien

Dänemark

Schweiz

Litauen

Italien

Estland

Italien

Deutschland, Thüringen

Polen

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Der Ablauf einer jeden Veranstaltung verläuft in der Regel immer gleich. Die Anreise erfolgt per Bus oder wenn es zu weit ist, per Flugzeug. Die Unterbringung steht vorher schon fest, ob Massenunterkünfte wie Klassenräume oder Turnhallen und schlafen, auf Luftmatratzen oder Feldbetten. Die Verpflegung regelt meistens eine Cateringfirma. In Padua/Italien wurden alle Teilnehmer wegen ausbleibender Gäste aufgrund des Vulkanausbruchs “Ätna“ im Februar 2013, in 4 Sterne Hotels untergebracht. In Gotha erfolgte die Unterbringung z.B. in Kasernen der Bundeswehr die gerade neu renoviert wurden. In Polen waren es u.a. Studentenwohnheime.

Solche Unterkünfte sind, wenn man vorher nur auf Luftmatratzen geschlafen hat, etwas außergewöhnlich Schönes und doch hat eine gemeinsame Unterkunft einen besonderen Reiz – wie auch immer man es betrachtet.

Laut Programm sind einige Gruppen für einen Auftritt bei der Eröffnung eingeteilt, wiederum andere Gruppen zur Abschluss Veranstaltung. An allen Tagen treten die Gruppen mit ihren Darbietungen an verschiedenen Stellen des Ortes auf. Die Abende sind zur freien Verfügung. Eine Gelegenheit bestehende Freundschaften mit andere Gruppen zu pflegen, festigen oder neue Verbindungen herzustellen. Viele Personen kennen sich schon mehrere Jahre und entsprechend ist das Wiedersehen.

Wer nicht auf den großen Plätzen wo Bühnen mit Musikgruppen tausende Volkstänzer mit Gesang und Tanz unterhalten, der/die zieht sich in die Unterkunft zurück und versucht den Tag, der nach einem festgelegten Programm abläuft, auszuruhen. Aber, wenn man an einem lauen Sommerabend die breite mehrstufige Eingangstreppe der Unterkunft zum Ausruhen wählt, ist nicht lange allein.

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Grundsätzlich gruppieren sich Andere hinzu, dann kommt das erste Akkordeon und schon wird wieder getanzt.

Bei Bier und Wein, sonstigen geistigen Getränken und grillen verläuft so ein Abend oft bis in den Morgenstunden.

Auch wenn eine andere Sprache gesprochen wird, entstehen unvergessliche Momente und auch Verbindungen.

Z.B. eine herzliche Begegnung eines Hirten aus Sardinien mit einer Trachtenträgerin aus Tirol. Die mitgebrachte Flüssigkeit –wie man sieht- trug zur Erheiterung bei.

Freundschaften werden geschlossen, denn die Meisten Gruppen besuchen alljährlich die Europeade

und freuen sich auf ein Wiedersehen, was immer herzlich ist.

Nur so sollten Völker mit-einander umgehen!

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Am Sonnabend nehmen alle Gruppen am Umzug durch die Stadt teil, die von Musikgruppen und eigene Musikanten begleitet und unterhalten werden. Sobald der Umzug sich aufstaut und zum Stehen kommt, wird getanzt, bis der Zug wieder anläuft.

Auch Volkstänzer der Volkstanz- und Trachtengruppe Jever e.V. nahmen 2013 am Umzug in

Gotha/Thüringen teil.

Der Höhepunkt bei der Abschluss Veranstaltung ist die feierliche Übergabe des großen Banners der Europeade vom Veranstalter an die nächste Nation. 2015 wird Schweden Ausrichter der Europeade sein und zwar in Helsingborg. Schon 2013 in Gotha und insbes. 2014 in Kielce/Polen wurde für die

Teilnahme geworben. Auch der Verfasser hat sich vorgenommen am sog. Spektakel 2015 in Helsingborg teilzunehmen.

 

Die Europeade ist ein Event mitwachsendem Zulauf und keine Heimattümelei, etwas für Leute, groß und klein, Jung und Alt aber mit dem Herz auf dem rechten Fleck. 

 

Und die Leute, die nun gar nicht aktiv sein wollen, sind als Zuschauer immer willkommen.

Hier Monika Peters mit der Flagge des Landkreises Friesland im Hintergrund die Flagge von Ostfriesland.

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Damals in Wales besuchten wir in der Stadt Tregaron das Denkmal von Henry Richard, auf dessen Sockel war geschrieben:

 

„Statt Kriege zu führen

sollten sie lieber miteinander tanzen“.

 

(Der am 03. April 1812 in Tregaron/Wales geborene Henry

Richard. Er war „der Apostel des Friedens“, ein Gemeinde Präsident und Welsh Mitglied des

Europäischen Parlaments von 1868 – 1888.)

Das ist Europa.

Dieser Spruch hat mich beeindruckt und so wollen wir mit den europäischen Gedanken weitermachen.

 

Viele schöne Begegnungen und Anlässe folgten. 2020 das Jubiläumsjahr der Volkstanz- und Trachtengruppe Jever sollte groß gefeiert werden, doch Corona brachte das „Aus“!

 

 

Hermann Peters